(Abbruch)Rezension

Die Liebe des Schwarzmagiers

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„Die Liebe des Schwarzmagiers“ von Beatrice Regen erschienen im Self-Publishing.

Um was geht’s?

Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht so sicher, um was es eigentlich geht. John ist ein Magier und mit Diana zusammen. Sie leben in Deutschland, obwohl John eigentlich aus einer anderen Welt und Zeit kommt. Als John aus Wut einen Freund von Diana umbringt, ändert sich aber alles und Diana wirft ihn raus. Im Klappentext steht dann noch, dass Diana versucht, Johns Fähigkeiten außer Kraft zu setzen und dafür in Johns Heimat reist.

Was gibt’s dazu zu sagen?

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar von der Autorin bekommen.

Aha! Du bist also voreingenommen! Das ist jetzt sicher Werbung!

Nein, das bin ich nicht. Ich behandele das Buch wie jedes andere auch. Trotzdem habe ich es jetzt als Werbung gekennzeichnet, um mich abzusichern. Außerdem wird man ganz schnell merken, dass ich mit meiner Rezension nicht wirklich Werbung für den Roman mache. Eher im Gegenteil.

Weißt du deswegen etwa nicht, um was es geht?

Genau. Ich habe das Buch nämlich abgebrochen. Nach 119 Seiten von 600.

Ich hätte dir gleich sagen können, dass das nix für dich ist. Hast du dir den Titel mal angeschaut?

Das habe ich der Autorin auch gesagt, aber sie meinte, ich wäre die richtige Bloggerin und hat mich überredet das Exemplar anzunehmen. Ich dachte: „Hey, es ist Ausgangsbeschränkung. Dann versuchen wir das mal. Was kann schon passieren?“

Totale Lebenszeitverschwendung, habe ich recht?

Nicht mal, ich konnte mich auch aufregen.

Ohje. Wie war’s denn jetzt?

Beginnen wir mal wieder mit meinem Lieblingsthema: Die Darstellung der Frau. In den ersten 40 Seiten gibt es nur eine und das ist Diana. Sie wirkt völlig hilflos und wird am Anfang auch nur im Verhältnis zu irgendwelchen Männern dargestellt. Da schneidet sie wirklich schlecht ab. Sie ist unsicher, errötet ständig, huscht durch irgendwelche Räume und will absolut nicht im Rampenlicht stehen. Männer reden übrigens immer nur mit ihr, indem sie auf die Protagonistin herunterblicken. Wie könnte es anders sein, kann sie auch nicht mit Autos umgehen und muss sich von einem Mann beim Reparieren helfen lassen. Es wird zwar von ihrer fehlerlosen Doktorarbeit gesprochen (was ziemlich sportlich ist, wenn man von einer Durchschnittszeit von vier Jahren für die Doktorarbeit ausgeht und sie aber erst vor acht Jahren die Schule verlassen hat), aber sie wirkt nicht sehr erwachsen. Ihr Freund John ist ein berühmter Magier und sie ist ständig eifersüchtig auf seinen Erfolg.

Als ich die Autorin darauf angesprochen habe, meinte sie, sie wollte eben keine „perfekte Standard-Protagonistin“ gestalten. Aber meiner Meinung nach, hat sie in die völlige Klischee-Kiste gegriffen. Sie wirkt wie ein Bella/Anastasia-Verschnitt nur in nerviger.

Wow, komm mal wieder runter! Gibt’s denn nichts Positives über Diana zu sagen?

Nach dem Mord an ihrem Jugendfreud Daniel schmeißt sie John immerhin raus. Obwohl sie das auch denkbar ungeschickt macht. Sie wurde vom Mordopfer nämlich kurz vorher noch sexuell genötigt, meint dann aber, der sei eh schon immer netter gewesen und hätte besser zu ihr gepasst als John. Ist klar. Und seine Entblößung in der Küche und der aufgezwungene Kuss waren nur ein Zeichen seiner unendlichen Liebe.

An dieser Stelle müssen wir auch mal über den Protagonisten sprechen. Ich habe nämlich ein paar andere Rezensionen gelesen, die ich sehr bedenklich finde. John Gold ist kein toller, super männlicher Typ. Er ist ein Tyrann. Er ermordet Daniel aus einem gekränkten Ego heraus, geht in seine Heimat, schießt auf verhungernde Frauen und misshandelt sein Dienstmädchen. Er reagiert gereizt auf Wiederworte und erwartet allgemeine Unterwürfigkeit, weil er magische Superkräfte besitzt. Wieso jetzt alle Leserinnen (und ich vermute mal, es sind wirklich nur Frauen) darauf kommen, man müsste ihn anhimmeln, ist mir nicht ganz klar.

Gibt’s irgendjemanden, den du magst?

Nicht wirklich. Ich dachte zuerst, dass ich die Magd Miriam mag. Aber als ich das Buch abgebrochen habe, hat sie Diana gerade Vorwürfe gemacht, dass Daniel doch wohl selbst schuld ist an seinem Tod. Wegen irgendwas, das ich nicht verstanden habe, weil es noch nie vorher Thema war und einem dann plötzlich hingeklatscht wurde. Und so ging es die ganzen Seiten über. Eine völlig Belanglose Szene und dann –  BÄMM – ein dunkles Geheimnis von früher!

Da sind wir dann wohl beim Stil. War der etwa auch schlecht?

Ich habe gleich nach 40 Seiten bei der Autorin nachgefragt, ob es ein Lektorat gab. Die Verneinung hat mich jetzt nicht wirklich überrascht.

Sprechen wir mal über den Umfang. Von den ca. 100 Seiten, die ich gelesen habe, hätte man sicher 50 weglassen können. Unterhaltungen über die veränderten Sportgewohnheiten der Figuren oder die Reitbeteiligung interessieren nicht wirklich. Ich denke, 300 Seiten hätten es als Gesamtwerk auch getan. Eine Lektor*in hätte sicher den Rotstift angesetzt und gnadenlos Absätze gestrichen. Vor allem bei folgender Unterhaltung (ich gebe sie in gekürzter Form wieder):

John: „Wie sieht es denn in Herrensdorf aus?“

In Herrensdorf gab es schließlich immer gute Ernte.

Apolonia: „Ihr macht doch einen Witz!“

J.: „Nein, was ist denn jetzt mit Herrensdorf?“

A.: „Ihr wart einfach zu lange weg.“

J.: „Was ist denn jetzt in meiner Abwesenheit in Herrensdorf passiert?“

A.: „Herrensdorf ist besetzt worden“

Dass Herrensdorf ein Ziel im Krieg werden würde, davon war er eigentlich auch ausgegangen.

J.: „Aber Herrensdorf wurde doch zu Ehren Gottes erreichtet. Wer könnte es wagen da einzudringen?“

Die Unterhaltung geht noch ein bisschen weiter und es kommt noch ein bisschen öfter das Wort „Herrensdorf“ vor, aber ich glaube man versteht, was ich meine.

Jetzt wünsche ich mir selber einen Rotstift!

Der hätte auch bei den ganzen Stilblüten geholfen. Hier eine kleine Auswahl:

 „… würde er die Abgaben in den Bereichen, wo es gerade schlecht aussieht, erniedrigen…“ (Anmerkung: In diesem Roman wird wirklich alles erniedrigt, sogar Abgaben.)

„Verzeiht, ich bin noch dabei ihn zu erziehen.“ (Anmerkung: Sie spricht über ihren 4jährigen Sohn, der gerade bei einem Besucher zu aufdringlich wird. Also ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Ich dachte, Erziehung endet bei Kindern ja mit drei.)

„Doch es hatte sich ergeben, dass der Frauenschwarm der Stufe ihr auf dieser Fahrt Annoncen gemacht hatte.“ (Anmerkung: Diese Kids und ihre Zeitungen. Man kennt das.)

„Heute kämpfte sie gegen ein solches Einstimmen an, doch sie konnte ihm nichts vormachen, er wusste, dass er sie gebrochen hatte.“ (Dazu fällt mir nicht mal eine Anmerkung ein.)

Aber gib‘ doch zu, das ist jetzt schon ein bisschen lustig.

Das stimmt schon, aber der Rest des Stils ist es nicht. Bei Relativsätzen mit „welcher“, „welche“ oder „welches“ rollen sich bei mir ja eh schon immer die Zehennägel auf, aber die Anwendung hier ist schon inflationär. Ich verstehe einfach nicht, warum moderne Menschen nicht modern schreiben können. Ich weiß, jetzt kommt gleich der Einwand: „Aber Kathrin, das ist doch eine andere Welt und auch noch in der Vergangenheit!“. Das lasse ich aber nicht gelten. Für mich ist das immer ein Anzeichen von mangelndem Talent.

Die Autorin kann also nichts?

Das würde ich so jetzt nicht sagen. Das ist immerhin ein Debüt. Ich bin mich auch sicher, dass es trotz meiner Kritik einen Markt dafür gibt. Ich gehöre nur leider nicht zu den Käuferinnen und kann das als Roman auch nicht ernstnehmen. Wenn mir eine Autor*in sagt, sie macht das nicht nur als Hobby, dann erwarte ich auch, dass sie ihr Handwerkszeug beherrscht. Das tut Beatrice Regen meiner Meinung im Moment noch nicht. Ich kann deswegen jedem, der sich beruflich mit dem Schreiben beschäftigt nur empfehlen, ein paar Kurse zu machen und ein Lektorat zu bezahlen. Lohnt sich wirklich immer.

Wann ist das was für mich?

Das Buch ist was für dich, wenn du keinen Anspruch an den Stil hast und dir völlig abstruse Geschichten Spaß machen. Außerdem gefällt dir der Roman anscheinend, wenn du eine völlig verquere Vorstellung von Männlichkeit hast.

Gibt’s noch ein Fazit mit so einem Bewertungssystem?

Nein, zwing mich nicht dazu, bitte! Ich denke meine Ausführungen kann jetzt jeder auf sich wirken lassen.

Ich wünsche der Autorin trotz meiner Ausführungen alles Gute! Ganz besonderen Respekt hat sie sich verdient, als sie bei meiner Kritik tapfer durchgehalten und sich alles angehört hat.

Ein Kommentar

  • Aleshanee

    Hi Kathrin!

    Das ist ja eine witzige Art einer Rezension, gefällt mir 🙂
    Allerdings schade, dass das Buch dir so gar nicht gefallen hat! Ich hab das noch auf meinem SuB liegen, nachdem eine andere Bloggerin so davon geschwärmt hat ^^ Jetzt bin ich echt verunsichert *lach* Aber ich werds definitiv ausprobieren und mal sehen, wie es mir gefällt und ob mir auch so viel negatives auffällt 😀

    Vielen Dank für deinen Leseeindruck!

    Liebste Grüße, Aleshanee
    Weltenwanderer

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