Rezension

Auch bei Schwulen spukt’s

„Auch bei Schwulen spukt’s“ von Karsten Oliver Woellm, erschienen beim MAIN Verlag.

 

Um was geht’s?

Sammy und Sebastian sind verheiratet und wohnen in einem Reihenhaus in der schwäbischen Provinz. Leider ist das nicht immer einfach für das Paar, dass gegen Vorurteile und Kleinbürgertum kämpfen muss. Wäre das nicht schon schlimm genug, gibt es seit kurzem ein neues Problem: Sammy wird von einem Schatten heimgesucht. Auch wenn nicht klar ist, was dieses Albtraumwesen eigentlich von dem ehemaligen Tänzer möchte, wird schnell deutlich: Die Bedrohung ist schrecklich real.

Was gibt’s dazu zu sagen?

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar in einer Leserunde auf Lovelybooks gewonnen. Im Nachhinein bin ich auch ziemlich froh, dass ich ausgewählt wurde!

Aha! Du bist also voreingenommen! Das ist jetzt sicher Werbung!

Nein, das bin ich nicht. Ich behandele das Buch wie jedes andere auch.

Wie war’s denn jetzt?

Wahnsinn! Einfach richtig gut!

Ein schwules Paar in Schwaben? Wirklich? Mit Geistern?

Ja, ich weiß, es klingt skurril. Darauf habe ich auch ehrlich gesagt gehofft. Das trifft wirklich mein Motto: ungewöhnlich. Ich wurde nicht enttäuscht. Das Buch beginnt mit einer sehr spitzen Charakterstudie über die spießigen Nachbarn und verwandelt sich nach und nach in einen sehr guten Horrorroman.

Der Stil ist sehr witzig und nimmt so allzu bösen Kommentaren manchmal die Schärfe. Die Satzstellung ist ein bisschen komplex, wenn man sich aber daran gewöhnt hat, kommt man flüssig voran.

Eigentlich mag ich die Ich-Perspektive nicht so gerne, aber der Protagonist Sammy ist einfach so liebenswert, dass ich das schnell verzeihen konnte. Alles andere hätte auch nicht gepasst. Die Ich-Perspektive unterstreicht einfach noch mal sein Erleben und seine Gefühlswelt. Das macht die Geschichte dann auch richtig intensiv.  

Auch die anderen Figuren sind klasse. Vor allem Dorothea, die schwarz tragende Tanzlehrerin, die nur im Dialekt spricht, hat es mir angetan. Sie hilft Sammy manchmal die Welt um sich herum richtig einzuordnen. Dann gibt es noch Sebastian, mit dem ich erst nach und nach warm geworden bin, weil er eine gute Entwicklung durchmacht. Ich könnte eigentlich stundenlang über die Charaktere erzählen, aber weil ich nicht zu viel verraten will, nur noch eine Anmerkung: Ein Highlight ist die Friseurin. Sie spricht so stark Dialekt, dass es am Ende eine Übersetzung ins Hochdeutsche dafür gibt. Ich bin zum Glück auch zum Teil Schwäbin, also konnte ich mir die Übersetzung sparen.

Hol mal tief Luft und erzähl was zur Handlung.

Es beginnt ganz harmlos, wird dann aber ganz schnell düsterer. Mit Wendungen, die ich meistens nicht vorhergesehen habe. Nur an einer Stelle war es ziemlich offensichtlich. Das hat mich aber nicht wirklich gestört.

Die Horror-Elemente der Handlung wechseln sich immer wieder ab mit alltäglichen Begebenheiten der Kleinstadt. Das sorgt für eine gute Mischung und Spannung.

Mit der Wendung zum Schluss war ich persönlich nicht ganz zufrieden. Es dauerte noch ein Kapitel bis mir klar war: Das könnte eine Reihe werden! Als mir der Autor dann verraten hat, dass es weiter geht, war ich wieder versöhnt.

Das ist ja schrecklich! Nicht ein Hauch von Kritik!

Also es gab einen kleinen Punkt, der mich gestört hat. Der Sex.

Wusst‘ ich‘s doch! Bei einem Buch über ein schwules Pärchen muss noch was Schmuddeliges kommen.

Nein, gar nicht. Es gab nur ganz wenige Stellen. Die waren jetzt auch nicht besonders schmuddelig. Ich musste nur lachen. Manche Formulierungen sind etwas…. Wie soll ich es sagen… Einmal musste ich an einen Staubsauger denken. Im Gespräch meinte Karsten Woellm, er wollte es nicht wie ein Rezept klingen lassen. Das tut es wirklich nicht, aber ist die Alternative besser? Sex in Büchern ist schwer, keine Frage. Nicht umsonst gibt es den „Bad sex award“. Zum Glück hat der Autor gezeigt, dass er es auch besser kann. Eine Szene am Ende ist nicht zum Totlachen, sondern unendlich romantisch. Ohne komische Formulierungen.

Wann ist das was für mich?

Das Buch ist was für dich, wenn du schon immer gedacht hast, bei den „Village People“ fehlt noch ein „Ghostbuster“. Außerdem solltest du das Buch lesen, wenn du skurrile Horror-Unterhaltung magst.

Gibt’s noch ein Fazit mit so einem Bewertungssystem?

Verrückter Horrorroman mit sehr viel Gefühl, der an vielen Stellen Gänsehaut verursachen kann!

Deswegen:

 

 

5 von 5 Ananas!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.