Rezension

Das Lächeln der Fortuna

„Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gablé, erschienen beim Verlag Bastei Lübbe.

 

Worum geht’s?

England im 14. Jahrhundert: Robin soll eigentlich der nächste Earl of Warringham werden. Weil sein Vater aber als Verräter festgenommen wird und unter mysteriösen Umständen stirbt, wird er plötzlich mittellos. Da er auf keinen Fall eine kirchliche Laufbahn einschlagen möchte, reißt er aus seiner Klosterschule aus und wird Stallknecht in Warringham. Dort macht er sich vor allem den Sohn des neuen Earl zum Feind. Um Willkür und Ärger zu entkommen, zieht er unter falschem Namen in den Krieg. Zum Glück begegnet er dem jungen Duke of Lancaster. Mit dessen Hilfe versucht Robin seinen Namen wieder rein zu waschen und seinen Besitz zurückzubekommen.

Was gibt’s dazu zu sagen?

Es ist gar nicht so einfach, einen guten historischen Roman zu finden. Oft wird es kitschig oder völlig unrealistisch. „Das Lächeln der Fortuna“ ist dagegen aber gut recherchiert.

Was? Das ist dir wichtig?

Ja, sogar sehr. Ich will beim Lesen von historischen Romanen auch ein Gefühl für die Zeit bekommen und mich darauf verlassen, dass historische Ereignisse stimmen. Sonst komme ich mir veralbert vor. Ich habe das Gefühl, dass Frauen besonders oft falsch dargestellt werden. Ich will nicht davon lesen, wie sich irgendeine Emma vom Bauernhof Männerkleider anzieht, dann Schwertkampf lernt und dem König das Leben rettet. Das ist einfach unrealistisch. Solche Sachen gehören in einen Fantasyroman. Auch Frauen, die den jeweiligen gesellschaftlichen Normen folgen, können eine spannende Geschichte erzählen. Rebecca Gablé schafft Charaktere, die sich in manchen Situationen zwar auflehnen, aber dabei nicht völlig aus der Rolle fallen.

Sei doch mal ehrlich: Keiner will von der braven Magd Anna lesen, die zu Hause bleibt, acht Kinder bekommt und absolut nichts erlebt.

Deswegen ist Robin auch ein Mann. Mit dem ich mich als Leserin trotzdem identifizieren kann. Das geht nämlich! Der kann dann auch als Edelmann in den Krieg ziehen und all die Abenteuer erleben, die seiner Schwester nicht erlaubt sind.

Ok, hab‘ ich verstanden. Feminismus nicht in historischen Romanen. Taugt denn die Geschichte was?

Auf jeden Fall. Vielleicht bin ich ein bisschen voreingenommen, weil ich auf englische Geschichte stehe, aber die Handlung ist spannend und abwechslungsreich. In über 1000 Seiten habe ich persönlich keine Längen gefunden. Einigen könnte es vielleicht zu blutig sein, ich finde das aber nicht. Meiner Meinung nach hat die Handlungen schöne Abwechslungen zwischen Mord und Totschlag und höfischem Leben.

Ich hab‘ ja gehört, der Protagonist ist zu nett… so wie ich dich kenne, ist das aber für dich kein Makel.

Das stimmt. Wie in den anderen Rezensionen schon angesprochen: Ich mag nette Leute. Und Robin ist das wirklich. Einfach ein guter Kerl. Weil man ihm schon als Kind begegnet, wächst er einem schnell ans Herz und man liest gerne seine ganze Lebensgeschichte. Gut, vielleicht hat er an manchen Stellen eher ungewöhnliche Fähigkeiten. Welcher Lord, und sei er auch in einem Stall groß geworden, hilft schon seiner eigenen Frau bei einer schwierigen Entbindung.  In solchen Szenen einfach nicht wundern und weiterlesen.

Außerdem wirken die realen historischen Persönlichkeiten unglaublich lebensecht und lebendig. Wenn mich jemand fragt, wie ich mir englische Könige vorstelle, dann kann ich sagen: So wie Rebecca Gablé sie beschreibt.

Wann ist das was für mich?

Das Buch ist was für dich, wenn du immer schon gedacht hast, Faramir aus „Der Herr der Ringe“ bräuchte ein eigenes Buch. Einfach weil er so ein guter Mensch ist! Außerdem solltest du das Buch lesen, wenn du anspruchsvolle historische Bücher suchst. „Das Lächeln der Fortuna“ ist nämlich Literatur jenseits von möglichen Titeln wie: „Die Hafendirne“, „Die Tochter des Nachtopfbauers“ oder „Die Nichte vom Cousin zweiten Grades des Juwelenhändlers“.

 

 

2 Kommentare

  • Aleshanee

    Guten Morgen Kathrin!

    Die Waringham Reihe liebe ich sehr! Es ist schon eine kleine Ewigkeit her, seit ich den ersten Band gelesen habe, aber ich weiß noch, wie begeistert ich davon war! Freut mich dass das Buch dir auch so gut gefallen hat und ich kann dir sagen, auch die weiteren Bände sind genauso gut 😀

    Liebste Grüße, Aleshanee

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