Interview

Die Ananas trifft Sarah Stoffers

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich Sarah Stoffers getroffen. Wir haben uns durch die Bloggerbörse (veranstaltet durch Trimagie und Süchtig nach Büchern) auf Facebook kennengelernt. Am Samstag haben wir uns dann in einer völlig überfüllten Halle 2 getroffen. Hier könnt ihr lesen, was sie so zu erzählen hat:

 

Kathrin: „Hallo Sarah, vielen Dank dass du Zeit für ein Interview hast. Du hast dich ja bei mir damit gemeldet, dass du Krona-Fan der ersten Stunde bist.“

Sarah: „(Lacht) Ja, genau.“

K: „Das hat mich sofort überzeugt. Aber heute geht es um dich und deswegen würde ich sagen, du stellst dich mal vor.“

S: „Ja, ich bin Sarah Stoffers, ich habe ‚Berlin – Rostiges Herz‘ geschrieben. Das ist mein erster Fantasy-Roman oder Science-Fiction-Roman für Erwachsene. Ich habe vorher schon mal ein Jugendbuch geschrieben. Das war ‚Wainwood House‘, das ist ein bisschen wie ‚Downton Abbey‘ für Teenager. Aber das jetzt ist mein erster Roman für Erwachsene und mein erster Roman beim Amrûn Verlag. Ich würde auch generell mehr in Richtung Fantasy und Science-Fiction gehen.“

K: „Die Ananas hat ein bisschen recherchiert und hat herausgefunden, dass du noch einen unveröffentlichten Roman hast.“

S: „(Lacht) Oh ja.“

K: „Was ist das denn für einer? Worum geht es?“

S: „Das ist ein historischer Roman und das war mein allererster Roman. Als ich ihn schrieb wusste ich nicht, dass ich zwei wichtige Regeln des historischen Romans gebrochen hatte. Ich habe über das 18. Jahrhundert geschrieben, was kein so beliebtes Jahrhundert ist und meine Hauptfigur war männlich und es gab keine große Romanze.“

K: „(Lacht) Tragisch! Tragischer Fehler.“

S: „Tatsächlich war es so, dass mein Agent immer zu den Verlagen gegangen ist und irgendwann kam immer das Argument ‚Ja, aber es ist nicht Mittelalter und es ist kein Frauencharakter‘.“

K: „Also mich hätte es ja genau aus diesen Gründen überzeugt. Aber es ist echt schade, dass es dafür im Moment keinen Markt gibt.“

S: „Ja, gerade die Publikumsverlage haben natürlich eine sehr klare Vorstellung davon, was sie verkaufen können. Das ist auch einer der Gründe, warum ich zum Amrûn Verlag gegangen bin. Mit Steam-Punk war es bei den großen Verlagen nämlich dasselbe. Sie haben immer gesagt ‚Schöne Geschichte, gut geschrieben, aber es ist Steam-Punk‘. Und die Heldin ist auch noch lesbisch und schwarz (Lacht).“

K: „Mir gefällt, was du darüber erzählst, weil es nicht dem typischen Klischee entspricht. Ich finde es schade, dass das bei Publikumsverlagen nicht ankommt, weil ich schon glaube, dass die Leute dafür schon bereit wären.“

S: „Also es gibt ein Publikum dafür. Es gibt Leute die sagen, sie haben Lust jenseits des Mainstreams und der ausgetretenen Pfade zu lesen. Ich glaube die großen Verlage trauen sich das nicht so richtig, weil das natürlich ein finanzielles Risiko ist. Die kleinen Verlage sind da risikobereiter, die machen das dann eben mit einer kleineren Auflage. Die Autoren erwarten sowieso nicht, dass sie große Vorschüsse oder so bekommen (Lacht). Da kann man dann eher solche Sachen unterbringen, die sonst vielleicht nicht verlegt werden würden.“

K: „Glaubst du, du bringst irgendwann deinen historischen Roman nochmal raus, oder ist der erstmal auf Eis gelegt?“

S: „Also inzwischen wünsche ich mir, dass ich ihn nochmal überarbeiten darf. Es sind jetzt ein paar Jahre vergangen, da sieht man dann immer, was man falsch gemacht hat (Lacht). Ich habe ihn noch nicht ganz aufgegeben. Ich habe auch überlegt, zu Wainwood House noch eine Fortsetzung zu schreiben. Historische Romane liegen mir am Herzen, aber sie sind auch immer ein bisschen abseits und brauchen ihre eigene Nische.“

K: „Sehr gut. Die Ananas hat übrigens noch was anderes über dich gelesen und zwar, dass du Pen & Paper (Rollenspiele) total gerne magst. Das verbindet uns. Was spielst du denn gerne?“

S: „Ich spiele Dungeons and Dragons.“

K: „Sehr klassisch.“

S: „(Lacht) Ja. Tatsächlich ist es so, dass ich Freunde habe, die mir das Regelwerk gegeben haben und meinten ‚Lern das mal und erstell einen Charakter‘. Inzwischen bin ich ihnen sehr dankbar, weil wir eine sehr schöne Runde haben und es macht mir sehr viel Spaß.“

K: „Hilft dir das beim Schreiben?“

S: „Ich würde sagen, es ist eine ungewöhnliche Perspektive. Ich traue mich bisher noch nicht an den Dungeon-Master ran, weil ich dafür noch nicht lange und intensiv genug spiele. Ich glaube, dass ist noch mal eine andere Herausforderung. Er muss die Geschichte im Auge behalten und sehen, wo er die unterschiedlichen Charaktere hinführt oder welche Spuren er legt und so weiter. Das ist sozusagen der nächste Schritt für mich bei Pen & Paper (Lacht). Mir hilft es im Moment dabei, ungewöhnliche Charaktere zu entwickeln, weil ich sehr gerne mit dem Klassischen breche. Ich spiele zum Beispiel einen Halb-Ork, der Paladin für die Göttin des Friedens ist (Lacht). Solche Charaktere liegen mir.“

K: „Das klingt auf jeden Fall ungewöhnlich. Du hast es ja schon so anklingen lassen, deine Protagonistin bei ‚Berlin – Rostiges Herz‘ ist auch ungewöhnlich. Erzähl uns doch mal was über das Buch.“

S: „Es spielt in einem zukünftigen Berlin. Unsere Zivilisation ist völlig in Vergessenheit geraten, durch Klimawandel und Kriege um Rohstoffe. In diesem neuen Berlin sind die Zauberer die Elite der Gesellschaft. Sie sind praktisch am Ende unserer Zivilisation aus dem Vergessen aufgestanden und haben gesagt ‚Ihr habt den Karren an die Wand gefahren, wir helfen euch jetzt das ganze zu schaukeln.‘ Die einzige echte Konkurrenz für Magie sind Erfindungen und Technik. Deswegen versuchen die Zauberer die Techniker und Erfinder zu unterdrücken und das gelingt ihnen auch ganz gut. Das ist praktisch der Hintergrund der Geschichte. In dieser Welt sind die Erfinderin Mathilda Sturm und der Zauberer Fidelio in die gleiche Frau verliebt. An dieser Stelle könnte es jetzt eine Liebesgeschichte werden, wird es aber nicht (Lacht). Es gibt Abendteuer, es gibt Morde, es gibt Intrigen und beide müssen dann irgendwann zusammenarbeiten um die Stadt zu retten.“

K: „Das klingt auf jeden Fall spannend! Vielen Dank, dass du beim Interview mitgemacht hast. Ich wünsch dir ganz viel Erfolg mit deinem Roman. Die Ananas auch, auch wenn sie das natürlich nie zugeben würde. Viel Spaß auch noch auf der Buchmesse.“

S: „Sehr, sehr gerne. Dir auch noch ganz viel Spaß in Leipzig.“

 

Autorin Sarah Stoffers (und die Ananas)

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