Rezension

Die Lügen des Horatio Harthorn

„Die Lügen des Horatio Harthorn“ von Angela Stoll,erschienen im Verlag in Farbe und Bunt.

     

              

Um was geht’s?

Alan ist unendlich glücklich. Endlich nimmt ihn sein Vaterzu sich. Seine ganze Kindheit hatte er auf dem Land bei seinem kränklichenOnkel verbracht. In der großen Stadt ist sein Vater als wohlhabender Kaufmann bekannt und hat riesige Luftschiffe. Seine Zukunft verspricht auf jeden Fall aufregendzu werden. Warum aber antwortet sein bester Freund zu Hause nicht mehr? Und wovor fürchtet sich sein neuer Diener in dem großen Haus so sehr?

Was gibt’s dazu zu sagen?

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar kostenlos von der Autorin zugeschickt bekommen.

Aha! Du bist also voreingenommen! Dasist jetzt sicher Werbung!

Nein, das bin ich nicht. Ich behandele das Buch wie jedes andere auch.

Wie war’s denn jetzt?

Ich habe vorher noch nie etwas aus dem Genre Steampunk gelesen und wusste auch gar nicht, ob das was für mich ist. Mir hat die Welt, die Angela Stoll erschaffen hat, aber sehr gut gefallen. Der Name der großen Stadt wurde zwar nie genannt, ich habe mir aber immer London zur Industrialisierung vorgestellt.

Engald zur Industrialisierung? Dann kann ich auch Charles Dickens lesen.

Ehrlich gesagt hat die Handlung auch was von Dickens. Deswegen habe ich mich eigentlich auch nur dafür gemeldet. Man trifft auf arme Waisen und Menschen in prekären Lebenslagen. Auch die Standesunterschiede der Protagonisten werden deutlich. Generell kann die Autorin Verzweiflung ziemlichgut beschreiben. Mich hat gleich der Prolog angesprochen, der sehr düster begonnen hat. Diese Stimmung bleibt eigentlich auch den ganzen Roman so. Man sollte das Buchjetzt nicht lesen, wenn man zart besaitet ist und Gewalt gegen Kinder generell nicht abhaben kann.

Gewalt gegen Kinder? Und das findest du gut? Ganz schön brutal….

Ja und nein. Ich fand das Buch ja wie gesagt düster, bin aber der Meinung, dass die Hauptzielgruppe des Romans Jugendliche sind. Es ist kein Splatter, aber die Autorin kann die Stimmung einfach sehr gut einfangen und das macht es so bedrückend. Mir hat das gefallen. Ich hatte an manchen Stellen sogar eine Gänsehaut.

Das klingt eher deprimierend.

Ist es aber überhaupt nicht. Das Thema Freundschaft steht imVordergrund und wird schön behandelt. Das sind sozusagen die Lichtblicke in der Dunkelheit. Einfach Ideal für die kalte Jahreszeit.

Gibt’s auch was, das dir negative Gänsehaut macht?

Nicht direkt. Was mich aber ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass die Bösewichte im Roman einfach nur das sind: Böse. Sie sind gemein und quälen alle Personen um sie herum. Man bekommt aber keine Erklärung, warum genau sie das machen. Alan und seine Freunde sind sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn sie Entscheidungen treffen, die in unseren Augen vielleicht falsch sind, wird erklärt warum sie das tun. Das finde ich sehr gut und hätte sicher bei Horatio Harthorn auch gepasst.

Außerdem ist mir das Erzähltempo ein bisschen zu schnell. Gerade befinden sich die Freunde noch in einer misslichen Lage, drei Zeilen weiter sind sie aber schon wieder entkommen. Das ist wahrscheinlich der Zielgruppe und der Seitenzahl geschuldet, aber wenn Angela Stoll die Handlung genauso wie ihre Protagonisten behandeln würde, hätte ich noch mehr Spaß am Roman gehabt.

Wann ist das was für mich?

Das Buch ist was für dich, wenn du immer schon der Meinung warst, Olvier Twist ist viel zu einfach davongekommen und hat bei weitem nicht genug gelitten. Außerdem solltest du das Buch lesen, wenn du Steampunkwelten mit einem Hauch von Magie magst.

Gibt’s noch ein Fazit mit so einemBewertungssystem?

Spannende und düstere Welt mit wirklich tollen Protagonisten. Die Handlung ist nur manchmal ein bisschen zu flott und die Bösewichte könnten mehr Tiefe vertragen.

Deswegen:

4 von 5 möglichen Ananas!

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